Autor

Biografie

 

Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt, muss ich immer erst einmal überlegen. Es sind mehrere. Obwohl ich keinen davon im eigentlichen Sinne gelernt habe. 

Ich habe mich immer auf die Dinge gestürzt, die mich am meisten fasziniert haben - und das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.

 

Geboren wurde ich 1968 in Köln, aufgewachsen bin ich in Erftstadt, einer Kleinstadt in der Nähe von Köln. 

 

Schon als kleiner Junge habe ich Geschichten geliebt, vor allem die spannenden. Ich las nachts heimlich unter der Bettdecke, links die Gummibärchen, in der Mitte das Buch und rechts die Taschenlampe. Wenn die Batterie ihren Geist aufgab, dann starrte ich an die Dachschräge über mir und dachte mir selbst Geschichten aus.  

 

Mit 15 Jahren sprach mich ein Freund an, ob ich nicht Lust hätte bei seinem Filmprojekt mitzumachen. Ich hatte Lust. 

Wir haben uns gefühlt wie Steven Spielberg und Georg Lucas zusammen. Den Rest der Schulzeit verbrachten wir im Keller, mit improvisierten Filmscheinwerfern, Super-8 Kameras, Schneidegeräten und ausufernden Ideen. Die Schule war dazu da, zu besprechen, welche Szene wir am Nachmittag drehen wollten. Klausuren waren sekundär. Die Prüfungen, die wirklich zählten, waren die Filmwettbewerbe, bei denen wir unsere Filme einreichten.

 

Nach dem Abitur bewarb ich mich in München an der Filmhochschule.  

Ich kam in die Runde der letzten 30, die nach München zum Vorsprechen eingeladen wurden. Einer der Professoren, mit Cowboystiefeln und übereinander geschlagenen Beinen, fragte mich, welchen Beitrag ich zum Deutschen Film leisten wollte. Ich sagte: »Ich würde ihn gerne etwas französischer machen.« 

Ich wurde nicht genommen.   

 

Die Idee, ein Buch zu schreiben, entstand kurz darauf. Ich war in Prag und machte dort gerade ein Praktikum bei einer tschechischen Filmproduktion. Der ungeheure und morbide Charme der Stadt hat mich so fasziniert, dass ich kaum wusste, wohin mit all diesen Eindrücken.  

Ich war Anfang 20, wollte 500 Seiten schreiben und kam bis Seite 70. Dann flog mir die Geschichte um die Ohren. Zu groß, zu anspruchsvoll, zu wenig Erfahrung. 

 

Germanistik und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften waren meine nächste Station. Ein Fehler, wie sich schnell herausstellte. Germanistik war mir viel zu theoretisch. Es hatte nichts damit zu tun, wie man Geschichten erzählt. Stattdessen ging es darum, Geschichten die andere erzählt hatten unter kulturellen und wissenschaftlichen Aspekten einzuordnen. 

 

Zur gleichen Zeit hatten mein Schulfreund und ich das Bedürfnis, mit unseren Filmprojekten aus dem heimischen Keller heraus zu kommen. Wir liehen uns Geld, mieteten in Köln ein Büro und eröffneten eine Produktionsfirma. 

Das Studium gab ich im selben Moment leichten Herzens auf.

 

Seit zwei Jahrzehnten arbeite ich jetzt in dieser Firma als Cutter, Grafiker, Realisator, Redakteur und Geschäftsführer und habe dabei in dunklen Räumen die unterschiedlichsten Geschichten zusammengeschnitten: Magazinbeiträge, Trailer, Vorspänne, Dokumentationen, Imagefilme, Unterhaltung. 

Für mich waren es immer magische Momente, vor einem leuchtenden Monitor im Dunkeln zu sitzen, Material in den Fingern zu halten und daraus etwas zu formen. 

 

Dann, mit Anfang 40, inzwischen verheiratet mit einer Psychologin, mit zwei Kindern, einem Hund und etwas mehr Lebenserfahrung, dachte ich: Da ist noch die Sache mit dem Buch. Ich befürchtete, ich würde es mir nicht verzeihen können, wenn ich es nicht wenigstens probiere. 

Also habe ich angefangen. Ich habe abends keine Bücher mehr gelesen, stattdessen habe ich versucht, eins zu schreiben. 

 

Es war wie am Bildschirm zu sitzen und einen Film zu schneiden, nur eben mit Worten statt mit Bildern. Es war wie fliegen. Und gleichzeitig war es harte Arbeit. Aber wenn hart arbeiten sich anfühlt wie fliegen, dachte ich, dann muss es richtig sein. 

 

Mehr als zwei Jahre habe ich zunächst damit verbracht, schreiben zu lernen.  

Bis ich irgendwann dieses Bild vor Augen hatte, von einem Jungen, der an der Schwelle einer dunklen Kellertreppe steht und in dem Neugier und Angst miteinander ringen, ob er hinuntergehen soll. 

Weitere eineinhalb Jahre später war »Schnitt« fertig.